Ist das hier Checkpoint Charlie?

Meine Gefühlswelt wird immer noch täglich hin und hergerissen. Bei täglichem Reisverzehr, quasi null Privatsphäre, gehörigem Soju-Konsum und viel zu vielem was entdeckt werden will, findet man quasi keinen Spaltbreit Platz um wirklich mal in Ruhe sein eigenes Seoul-Life zu reflektieren und in Worte zu fassen. Vielleicht berichte ich also einfach mal von einem Teil des bisher gesehenen und zeige ein paar Bildchen in guter alter Reise-Blogger Manier. :)

Meine erste richtige Sightseeing Station war Gyeongbokgung 경복궁: „Der Palast der strahlenden Glückseligkeit“. Sagt zu mindestens mein Dumont-Reiseführer (Fettes Dankeschön an Chris, der liebe hat mir den nämlich Geschenkt und er erweist sich als Prima Wegbegleiter :) ). Ein weitläufiges Areal im nördlichen Teil der Stadt, reißt mit seiner großen Palastanlage ein entspannende Kerbe in die Hochhauslandschaft und den zähfließenden Stadtverkehr Seouls. Die Palastanlage gibt es leider nicht mehr als (restauriertes) Original. Dafür waren sich Japan und Südkorea zu oft nicht grün genug in der Geschichte beider Länder, wodurch das Areal immer wieder niedergebrannt wurde und anschließend aufgebaut werden musste. Erst seit 2010 wurde es wieder in die heutzutage erfahrbaren Verfassung gebracht. Macht aber nichts. Sieht trotzdem schön aus und zeigt das Bild der traditionellen Baukultur Südkoreas. Als beliebter Touristenmagnet hatten Ricardo, Ferhat, Fabi und ich das Vergnügen uns zusammen mit einigen anderen Leuten die Anlage anzuschauen.

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Gyeongbokgung liegt am Fuße des Bukak-Berg (nicht zu verwechseln mit einem ähnlich klingenden japanischen Begriff und der damit einhergehenden Handlungsweise). Der Berg beherbergt den nördlichen Teil der alten Stadtmauer Seouls und war über viele Jahre für Bürger und Touristen nicht zugänglich. Nach einem Anschlagversuch eines norkoreanischen Kommandos Ende der 1960iger Jahre auf den Präsidentenpalast Cheongwadae 청와대, wurde der Zutritt bis 2006 verboten. Zu groß war bzw. ist die Angst vor Spionen und Saboteuren, die von der Stadtmauer einen zu guten Blick auf das Haus mit dem blauen Ziegeldach der Regierung haben. Heute kommt man rein, muss aber vor betreten des Bukak-Trails seinen Reisepass einreichen: Militärgebiet. Hier werden auch keine Ausnahmen gemacht. Nichtmal für die peinliche deutsche Familie die kurz nach uns am Checkpoint eintraf und ihre Reisepässe nicht dabei hatte: „Es ist aber unser letzter Tag in Seoul und wir sind grade extra 2 Stunden hergefahren. Wie Sie wissen in Korea nicht was ein Personalauswei ist? Steht doch drauf PERSONALAUSWEIS! Wir sind doch Deutsche und wir sind jetzt sauer. Also sowas würde es in Deutschland ja nicht geben plärr plärr plärr.“ Zum Glück konnten wir das Tor zur Stadtmauer schon passieren und mussten uns nicht mehr anhören wie unverschämt es doch ist, dass der gute Mann im Auftrag seines Vorgesetzten bürokratisch konform handelt. Gut beobachtet von hunderten Kameras bahnten wir uns den Weg über die Stufen rauf immer weiter gen Bukak-Peak, der höchsten Stelle des Berges. Zwischendurch durfte man an kleinen „Aussichtsplattformen“ die Bäume fotografieren, die die Sicht auf den Präsidentenpalast sicherlich rein zufällig versperren. Den normalen Weg entlang war es untersagt Fotos zu machen. Die Verbotsschilder machten auch deutlich, dass ebenfalls der Gebrauch von Drohnen nicht gestattet sei. Verdammt ärgerlich, wir hatten alle eine dabei. Zur Einhaltung der Regeln wurde alle paar Meter ein schlecht informierter Streckenposten aufgestellt, damit dieser einem nicht verraten kann wo man sich gerade auf dem Wanderweg befindet. Dann und wann patroulierten auch mal schwer bewaffnete Soldaten an einem vorbei. Die Angst vor Angriffen ist immer präsent. Der ganze Fußmarsch zog sich insgesamt so über unzähliche Treppenstufen, zahlreiche Kilometer und drei bis vier Stunden. Oben angekommen bot sich dann ein fantastischer Ausblick über Seoul und ein absolut abgefahrenes Stadtbild dieser Millionenmetropole. Und tatsächlich, man durfte von hier auch Fotos machen.

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Tolles Ausflugsziel ist auch der Cheonggycheon 청겨천. Was vor einigen Jahren noch eine Kloake war, über die eine doppelstöckige Schnellstraße führte, ist heute ein knapp 6 km langer Wanderweg, entlang einem schönen, bewachsenen Flüsslein, welches quer durch Seoul führt. An zahlreichen Stellen kann man über eingelassene Steine das Gewässer queren und sich wo immer man Lust hat niederlassen. Ein toller Platz zum spazieren gehen und relaxen. Durch die abgesenkte Höhe läuft man unterhalb des Straßenlärms und kann hier wirklich für einen Moment den städtischen Troube beiseite schieben und abschalten. Entlang des Cheonggycheon kommt man am Gwangjang-Markt 광장시장 vorbei. Ein traditioneller Markt, der unfassbar viele Näherreien, Verkaufsstände für Kleidung und Essen beherbergt. Mein Reiseführer spricht vom „echten Asien“ und einer „geruchgeschwängerten Luft“. Das kann man wohl unkommentiert so stehen lassen. Das ganze ist überdacht in riesiegen Hallen. Eine wirklich urige Atomosphäre, sehens und erlebenswert. An diesem Tag mundete es uns nur nach einer Art „Reibepfannkuchen“ als kleinem Snack zwischendurch. An die unzähligen Fisch- oder auch Schweinedarm-Stände wollten wir uns heute nicht noch nicht ranwagen. Aber ich komme wieder, versprochen ;)

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