Good Morning Vietnam (Part 1)

Laaaang ist es her. Nein, es ist nicht nichts passiert. Ich habe wirklich noch viel aus Korea zu berichten. Aber es ist wirklich hart die Zeit zu finden sich einfach hinzusetzen und zu schreiben. Wenn will ich auch alles erzählen, was manchmal vielleicht etwas übermotiviert ist. Andererseits ist es ja auch eine Art Tagebuch für mich und die Erinnerungen. Nur halt auf Monatsbasis oder so :D Wie auch immer. Ich habe jetzt Semesterferien und nutze diese um Südost-Asien zu bereisen. Ein Traum ist  damit für mich wahr geworden. Schon seit langem wollte ich mal nur mit einem Rucksack auf dem Rücken einfach nur Raus. Von Ort zu Ort, von Hostel zu Hostel und einige der schönsten Flecken der Erde sehen. Für dieses Abenteuer habe ich insgesamt 2 Monate Zeit und einige Ziele auf meinem Zettel: Vietnam, Cambodia, Thailand und die Philippinen.

Aber fangen wir doch lieber am Anfang an, welches zugleich ein Ende für viel zu viele war. Nach der Examenswoche vor Weihnachten, hieß es nach einem Semester an der Hankuk University of Foreign Studies Abschied nehmen. Nicht für mich persönlich. Ich werde ein weiteres Semester an der HUFS studieren. Für viele andere kam der Abschied dann aber nach der stressigen Klausurenphase schlagartig, auch wenn natürlich erwartbar.

Ein letzter Umtrunk im Jerrys und JayJays welche zu den Absoluten Stammkneipen der Austauschstudierenden geworden sind. Einer nach dem anderen verlies die Bar. Immer wieder hörte und stelle man die Frage: „Und sehen wir uns nächstes Semester wieder oder nehmen wir gerade Abschied?“ Jeder drehte so nach und nach seine Runden und pflichtete bei, einen Besuch im jeweiligen Heimatland des Gegenüber fest im weiteren Lebensweg eingeplant zu haben.

Auch wir machten uns so langsam auf den Heimweg. Nicht um schlafen zu gehen. Wir hatten etwas mehr geplant. Leicht angeschickert packten wir unsere letzten Sachen zusammen und verließen das Wohnheim Richtung U-Bahn Haltestelle. Bei Minusgraden um 5 Uhr Morgens sah man knapp 25 junge Menschen ohne Winterjacken über die Straße zittern. Für die meisten von uns ging es zum Flughafen Seoul Incheon. Mit 13 Freunden steuerte ich auf Hanoi, Vietnam zu. Da braucht man im Dezember kein Jäckchen. :) Ein paar weitere Freunde hatten ebenfalls am Morgen des 20. Dezembers Flüge zu verschiedene Destinationen gebucht und nahmen die gleiche Bahn. Und zu guter letzt wurden wir natürlich noch von einem Tross Abschiednehmender begleitet. Nun flossen wirklich viele Tränen. Enge Freund- und Liebschaften wurden auseinandergerissen und sollten nun teilweise durch Kontinente getrennt werden. Selbst ich alte gefühlskalte Socke konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Herzzereissende Szenen und die bittere Realität von Austauschprogrammen wurden uns vor Augen geführt. Insgesamt haben wir aber mehr gewonnen, als zu verlieren. Natürlich verliert man sich aus den Augen. Aber dank Social Media Plattformen ist die Welt garnicht mehr so klein. Und wie geil ist es dann, wenn man sich tatsächlich nochmal wieder sieht?

Am Flughafen angekommen wurde es dann nochmal stressig. Die gute Dame von Jeju-Air wollte uns teilweise nicht einchecken lassen, weil wir kein Visum für Vietnam hatten und keinen Rückflug vorweisen konnten. Unser Plan war es mit dem Bus das Land zu verlassen und das innerhalb von 15 Tagen nach Ankunft. Dafür braucht man als Staatsbürger einiger Länder kein Visum. Nach einer Stunde drängen, zaudern und einigen Unterschriften später, klappte es dann doch noch. Mit dem Fastlane Zettel in der Hand rannten wir zum VIP-Sicherheitscheck und dann den ganzen Flughafen Incheon entlang, um auf den letzten Drücker im Flieger zu landen. Geschafft. 4 Stunden Schlaf später immigrierten wir allesamt problemlos in Vietnam.

Mit unserer 14 köpfigen, aus 6 Nationalitäten bestehenden, bunt gemischten und teilweise etwas heterogenen Gruppe konnte das Abenteuer also beginnen. Unsere erste Station war also Hanoi. Mit einem Rückblick auf einen Monat den ich jetzt gereist bin, für mich der beeindruckendste Ort. Vielleicht auch weil es die erste Station meiner Reise war und einem die Unterschiede besonders Präsent waren. Im Gegensatz zu Südkorea eine ganz andere Kultur und ein vollkommen neues Stadtbild für mich. Alles spielt sich auf der Straße ab: Essen, Trinken, Einkaufen. Natürlich. Es ist hier ja auch warm, was soll man sich da in die Häuser verziehen? Der Verkehr ein einziges Chaos!? Zu Beginn kommt man kaum über die Straße. Mir wird schnell klar warum Vietnam zu einem der unsichersten Länder in Sachen Straßenverkehr zählt. Man hat das Gefühl fast überall überfahren zu werden. So schnell wie dieser Eindruck entsteht, wird dieser Kulturschock aber auch wieder überwunden. Das Chaos ist organisiert. Man kann quasi Blind über die Straße gehen, wenn man das System erkannt hat und nicht stehen bleibt. Alle Verkehrsteilnehmer kalkulieren, dass man im gleichbleibenden Tempo konstant weitergeht und so kommt man letztendlich immer unversehrt auf der anderen Straßenseite an. Zu den besuchten und besuchbaren Sehenswürdigkeiten in Vietnam gehören vor allem buddhistische Tempel, Museen und Gebäude die auf die geschichtlichen Hintergründe Vietnams verweisen. In Hanoi habe ich ein französisches Gefängnis aus Kolonialzeiten besucht, welches zunächst zur Inhaftierung und Folterung vietnamesisches Widerstandskämpfer genutzt wurde. Später wurde es von den Nordvietnamesen genutzt um amerikanische Streitkräfte zu inhaftieren. Laut den Dokumentationen die im Gefängnis gezeigt wurden, seien diese jedoch mehr wie Hotelgäste behandelt worden sein. Inhaftiert, aber frei und fröhlich. Wodurch wohl auch der Name Hanoi Hilton entstanden ist.

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Nach zwei Tagen zogen wir nach Halong Bay weiter. Reiseführer und Bilder im Internet versprachen uns ein Paradies aus Inseln und Felsformationen. Wir buchten also voller Erwartungen eine 8 Stündige Kayak-Boots-Tour an Heilig Abend. Enttäuscht wurden wir zwar nicht. Die Felsen sind wirklich ein beeindruckendes Stück Natur und Sehenswert. Beeindruckend ist leider aber auch wie zerstörerisch die Vietnamesen mit ihrer Natur umgehen. Die Boote verpessten mit ihren Motoren die Luft, ein grauer Schleier aus Smog vernebelt den Horizont und überall schwimmt Müll herum. Natürlich toll das solch ein schöner Ort für so viele Touristen zugänglich ist. Aber erschreckend wie wenig sich um den Erhalt gekümmert wird. Leider ist eine adäquate Müllentsorgung und Luftverschmutzung ein grundlegendes Problem in den bereisten Ländern wie wir im nach hinein noch feststellen durften. In den Supermärkten ist alles doppelt und Dreifach in Folie verpackt und zudem werden unzählige Plastiktüten ausgegeben. Vieles davon landet dann nach der Nutzung neben der Straße oder im Wasser.

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Am Abend gingen wir zusammen Essen. Schließlich war ja Weihnachten. Ohne Kälte und ohne Schnee versteht sich. Hier und da ein klein bisschen Decko, aber wie die besinnlichste Zeit im Jahr fühlte sich das nun mal garnicht an. Und Geschenke gabs auch leider keine. :( Für mich persönlich war es das erste mal Weihnachten nicht bei der Familie. Und insgesamt war ich das erste Familienmitglied, welches seit 28 Jahren nicht an Heiligabend zuhause war. In Korea hatte ich aber ein Weihnachtspaket mit lauter Überraschungen für meine Familie zusammengestellt, welches dann in meiner „Begleitung“ am 1. Weihnachtstag über Skype geöffnet wurde. Das entschädigte dann halbwegs für meine Abwesenheit und gab mir das nicht vorhandene Weihnachtsfeeling. :) Die Internetverbindung war übrigens konstant berauschend :D

Ich war inzwischen wieder in Hanoi angekommen. Diesmal nur zusammen mit meiner Freundin Mitzi. Sie musste am nächsten Tag ihren Flieger nach Thailand bekommen um dort ihr Praktikum bei einer NGO zu beginnen. Der Taxifahrer ließ uns am Hotel raus und ich legte ganz normal meine Buchungsbestätigung vor. Die Frau an der Rezeption nahm diese ganz normal zur Kenntnis und kassierte ab. Aber irgendwas war faul. Im Aufzug fiel mir auf, dass im Internet ausdrücklich darauf hingewiesen wurde das es keinen Fahrstuhl geben würde. Und auch das Zimmer auf den Bildern sah anders aus. Ich machte mich also mal zu Fuss auf den Weg und fand um die Ecke das wirklich gebuchte Hotel mit einem ähnlichen Namen. Da ich nicht doppelt zahlen wollte und das Personal im ersten Hotel kein Wort Englisch sprach, bat ich den jungen Mann meiner eigentlichen Unterkunft den Dolmetscher zu spielen. War natürlich alles nur ein Missverständnis! Die gutherzige Dame im ersten Hotel hatte gedacht ich müsste super dringend in ihrem Hotel unterkommen und hat nur meine Notsituation retten wollen. Wie durch muss ich denn nach einer Woche Vietnam ausgesehen haben, dass ich keine 2 Minuten mehr laufen könnte? :D Wie auch immer, ich hab mein Geld zurück erhalten und im eigentlichen Hotel wurde es dann umso cooler. Als ich am nächsten Morgen Mitzi zum Flughafen gebracht hatte, kam ich zurück ins Hotel und das gesamte Personal saß mit Freunden um 12 Uhr Mittags am Tisch, war am Wieselfleisch essen und Vodka trinken. Dazu wurde ich kurzerhand eingeladen und im wahrsten Sinne des Wortes abgefüllt. Gegenseitig haben wir uns dann vietnamesische und deutsche Trinksprüche beigebracht und mehr voneinander erfahren. Die Mädels und Jungs waren alle nicht älter als ich und führten als Freundeskreis dieses erfolgreiche Hotel zusammen. Coole Sache, einfach nur mit ein paar einheimischen zusammen zu sitzen. Da ich Abends am Flughafen wieder auf den Rest unserer kleinen Reisegruppe treffen sollte und wir noch nach Da Nang weiter südlich in Vietnam fliegen wollten, verabschiedete ich mich nach 2 Stunden nochmal ins Bett zum ausnüchtern. Einer der Jungs weckte mich dann zum Glück auch noch pünktlich und ich erwischte überraschend gut gelaunt die anderen und den Flieger. :D Wie es von da aus weiterging und wie wir die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Motorollern in die Höhe haben steigen lassen, erzähle ich im zweiten Teil. Wann dieser kommt ist eine Überraschung. haha

 

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Intensiv, intensiver, koreanisch Sprachkurs!

Happy Chuseok! In Südkorea wurde letzte Woche Chuseok gefeiert. Ein traditionelles Fest, an dem sich die Familien zusammenfinden und alles irgendwie still steht. Ähnlich wie an Weihnachten schließen für ein paar Tage fast alle Geschäfte und man muss schauen, dass man nicht verhungert. ;-) Seoul ist wie leergefegt. In der Subway bekommt man erstaunlich leicht einen Sitzplatz, die unzähligen Fressbuden sind geschlossen und selbst die Austauschstudenten verteilen sich übers Land und genießen das verlängerte Wochenende. Statt wie so viele nach Busan zu fahren oder auf die Insel Jeju zu fliegen, habe ich mich für ein paar entspannte Tage in Seoul entschieden.

Eine Pause war auch bitter nötig. Nach ca. einem Monat „Koreanisch Intensiv Kurs“ merkt man am eigenen Leib die Unterschiede zwischen dem koreanischen Bildungssystem und meiner westlich geprägten Vorstellungen von Lehre. Statt Verschnaufpausen und Wiederholungen durch die sich das gelernte setzen kann, dominiert hier die Idee des pausenlosen Lernens. Möglichst viel Zeit soll man mit dem Unterrichtsmaterial verbringen um am Ende die Prüfung zu bestehen. Auf ein langfristiges Erinnern wird durch diese Lernmethoden scheinbar keine Rücksicht genommen. Auch an den deutschen Universitäten besteht besonders in den Grundlagenvorlesungen oft das Problem des „Bulimie Lernens“. Also lernen, nicht des lernen willens, sondern um das Wissen in einer Prüfung sprichwörtlich „auszukotzen“, wobei es anschließend direkt vergessen wird. Bei dem was ich hier im Sprachkurs selbst erlebe, gelesen habe und von koreanischen Studierenden berichtet bekomme, besteht diese Problematik in Korea jedoch in einer weitaus größeren Dimension.

Nach täglich vier Stunden Kurs, müssen anschließend Hausaufgaben bearbeitet werden die durchschnittlich zwei weitere Stunden beanspruchen. Fast tägliche Vokabeltests oder das freie Vortragen von selbstausgearbeiteten Texten, kommt dann noch hinzu. Zudem ist ein kontinuierliches wiederholen der Vokabeln aus der Vergangenheit notwendig. Die koreanischen Wörter lassen sich nicht wie so oft bei indogermanischen Sprachen aus dem lateinischen herleiten. Ich habe also das Gefühl als müsste ich mir für jede einzelne Vokabel eine Eselsbrücke zusammen basteln. Manchmal klappt das wunderbar. 공항 bedeutet z.B. Flughafen. In deutscher Lautsprache hört es sich ähnlich an wie „Kong Hang“. Dann stelle ich mir halt einfach einen herumwütenden King Kong im Hangar des Flughafens vor. Leider ist das für mein Empfinden viel zu oft nicht ganz so einfach bzw. Wörter ähneln sich zu sehr um Eselsbrücken aufrecht zu erhalten.

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Realistisch oder vielleicht auch nur optimistisch gesehen, müsste ich somit täglich  8-10 Stunden Zeit für den Sprachkurs und seine Nachbereitung aufbringen. Und das nicht nur Wochentags. Jede Woche Montag beginnt mit einem „Quiz“, dass die zuletzt gelernte Kapitel schriftlich abfragt, wobei die Note einen Teil der Endzensur darstellt. Diese Rechnung geht natürlich nicht auf. Neben dem normalen Universitätsveranstaltungen, kommen neben dem eigene Alltag kommt noch das Sportangebot der Uni und die eigene Freizeitgestaltung mit hinzu. Insgesamt eine Frustfalle für mich bei der ich lernen musste, meine eigenen Erwartungen extrem zurück zu schrauben.

Wie mir mittlerweile bewusst ist, soll der Koreanisch Intensiv Kurs zur Qualifikation auf das zweite von insgesamt sechs Sprach-Levels vorbereiten. Ähnlich also wie beim „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“ mit den Niveaustufen A1 bis C2. Wie viele andere meiner Kommoliton_Innen bin ich mit einer gänzlich anderen Erwartungshaltung an den Kurs herangegangen. Mangels weitere Informationen zum Kurs, habe ich das Wort „Intensiv“ eher als eine intensive Vorbereitung auf den koreanischen Alltag interpretiert. Nach der Milch im Laden fragen oder einer Wegbeschreibung folgen, waren und sind meine Ziele. Nun lerne ich Zeitformen die ich wohl nie im Alltag verwenden werde, kann dahingegen aber nicht einmal vernünftig und frei einen Satz formulieren, da ich schon wieder die Vokabeln aus der letzten Woche vergessen habe. Hinkt man einmal hinterher, verliert man den Anschluss und dieser ist uneinholbar. Der Zeitplan des Lehrpersonals ist straff, eine Reduzierung des Tempos daher nicht möglich und nicht vorgesehen. Auf den einzelnen kann also keine Rücksicht genommen werden. Unsere Lehrerin ist wirklich nett und bemüht sich sehr. Dennoch bekommt man die geballte Ladung der koreanischen Kultur, Philosophie und Unterrichtsmoral zu spüren. Wer es nicht schafft, fällt halt eben durch und muss es erneut versuchen. Und das werden sehr viele sein. Wenn nicht sogar alle die nicht mit Vorerfahrungen in der koreanischen Sprache den Kurs begonnen haben. Selbst krank sein wird quasi wie eine eigene Verfehlung angesehen. Kann man zu einer Sitzung oder Prüfung wegen Krankheit nicht erscheinen, erhält man Null Punkte und hat keine Chance die Prüfung zu wiederholen. Auch Platz für ein Hinterfragen oder Kritik am System sind nicht vorgesehen und werden ziemlich gekonnt in eigenes Unvermögen umgewälzt. Auf meinen Frust über diese Missstände wurde mir für meinen Geschmack ziemlich provokativ die Frage entgegnet: „Wie viele Stunden hast du denn gestern nach dem Unterricht gelernt?“. Man fühlt sich wenig bis gar nicht verstanden und muss scheinbar mit der Situation leben. Bis auf Durchhalteparolen wird einem nix der Situation zuträgliches entgegnet. Ein Abbrechen des Kurses kommt nicht in Frage. Wie auch? Wer hinschmeißt muss eine Strafe von 1,5 Mio KRW (ca 1200€) zahlen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die zu schwachen Englischkenntnisse des Lehrpersonals im Intensivkurs. Koreanische Grammatik auf koreanisch gepaart mit Zeichensprache erklärt zu bekommen, erhöht nicht gerade die Chance alles auf Anhieb zu verstehen und verzögert den Lernprozess. Natürlich profitiert man sicher auch davon direkt die koreanische Lautsprache zu hören. Wenn man dann aber Fragen hat und die Lehrerin einen nicht versteht, wird es schwierig. Besonders wenn dann noch das so typische koreanische „Bejahen“ hinzukommt. Um eigene Schwächen nicht preiszugeben, geben Koreaner sehr ungern zu wenn Sie etwas nicht leisten können oder eben nicht verstehen. Wenn man das Lehrpersonal jedoch fragt ob man mit seiner eigenen Annahme richtig liegt und dies durch ein einfaches „Ja“, trotz Ahnungslosigkeit was ich eigentlich gefragt habe, fälschlicherweise bestätigt wird, nimmt die Lehre für mich eine groteske Form an. Dieses Beispiel stellt zum Glück nur eine Ausnahme dar, ist aber für mich mit Sinnbild für eine von viele anderen Herangehensweisen die in Korea herrschen und ich hier kennen lerne.

Meine Kritik ist natürlich sehr subjektiv und geprägt von meinen Erfahrungen im deutschen Bildungssystem. Zudem natürlich selektiv, da ich nur den Sprachkurs und eine weitere Veranstaltung belege. Meinen Seminar am Dienstag habe ich abgewählt, weil es mir einfach zu viel wurde und ich im nächsten Semester noch genügend Zeit haben werde die Veranstaltung nachzuholen. Insgesamt zeichnet sich aber nach dem was ich so mitbekomme, ein für mein Empfinden ziemlich bedrückendes Leistungsumfeld ab. Angefangen in der Schule wo der Druck besonders groß ist erfolgreich zu sein, um später eine der besten Universitäten im Land besuchen zu können. Das Studium wird dann durch seine etwas freiere Zeiteinteilung fast zu ein paar entspannten Jahren. Man hört aber immer wieder, dass nur studiert wird um einen Titel zu erlangen. Die Fächerwahl scheint oftmals willkürlich zustande gekommen zu sein und ist nur Mittel zum Zweck. Der Beruf hat später meist nicht mehr viel mit der Ausbildung zutun. Es wird auf den Namen der Universität und die Noten geschaut. Der Druck an der Universität ist entsprechend hoch. Nur die besten 10% der Vorlesung bzw. des Kurses dürfen mit der Topnote bewertet werden. Allzu oft wurde in der Vergangenheit wohl mit der Vergabe von Bestnoten, die Durchschnittsnoten der eigenen Universität durch die Professoren angehoben. So wurde eine höhere Position im Universitätsranking angepeilt und suggeriert die besten Studierenden an der eigenen Hochschule zu haben. Durch die Einführung der 10%-Klausel wurde diesem Missstand entgegen gewirkt. Zum Leid von wirklich guten Studierenden, die teilweise trotz gleichwertiger Leistungen keine Bestnote erhalten können. Das System fördert zudem das Konkurrenzdenken zwischen den Studierenden. Es kommt einem so vor, als gehe es nicht darum gemeinsam ein Ziel zu erreichen, sondern besonders starke Einzelkämpfer zu entwickeln. Dabei bleibt das persönliche Glück oftmals auf der Strecke. Einen wirklich Lesenswerten Artikel hat meine Kommoliton_In Antonia dazu verfasst.

Auch der Arbeitsalltag scheint gespickt mit demoralisierenden Verhältnissen und Missständen. Brandeins hat dazu in seiner August Ausgabe über Hierarchien, Überstunden und geschäftliche Besäufnissen geschrieben. Ein wirklich lesenswerter Artikel, der viele meiner hier gemachten Eindrücke widerspiegelt und von koreanischen Komiliton_Innen kommuniziert wird.

Last but not Least, zeigt auch dieses Video vieles auf, in welcher Weise Druck auf Schüler und die Menschen in der koreanischen Gesellschaft ausgeübt wird. Neben Leistung spielt auch das Erscheinungsbild in Korea eine entscheidende Rolle, dem oft mit Schönheitsoperationen entgegen gewirkt wird. Ebenfalls empfehlenswert, wenn auch aus meiner Sicht sehr einseitig.

Nach gut einem Monat ohne Blogeintrag mag dieser kritische Beitrag danach klingen als wenn es mir hier nicht gut geht. Dennoch kann ich euch natürlich sagen, dass ich hier absolut glücklich bin, eine Menge Spaß habe und meine Wahl nach Seoul zu gehen in keinster Weise bereue. :-) Mir war es nur ein großes Anliegen die wenige Zeit die ich zum bloggen habe, ein mir wirklich wichtiges Thema anzusprechen. Neben all der Kritik die ich habe, macht mir der Kurs natürlich auch einen riesen Spaß und gehört zum Alltag dazu bzw. er gestaltet ihn. Es macht unheimlich viel Spaß mit den ganzen Leuten aus den verschiedenen Nationen im Kurs zu sitzen, sie kennen zu lernen und gemeinsam eine schwierige Sprache zu lernen. Wenn man neue Kontakte mit Koreaner_Innen knüpft und ihnen die gelernten Vokabeln oder Sätze die man schon beherrsche präsentiert, sind diese immer hellauf begeistert und bescheinigen einem ein unheimlich gutes koreanisch. :D Das macht dann natürlich schon Laune. Insgesamt nehme ich natürlich auch für mich selbst vieles mit. Allein die Tatsache nun ein System kennen zu lernen, welches für mich sehr anstrengend erscheint ist lehrreich für mich. Ich musste mir erst klarmachen, was erreichbar ist. Nun sehe ich das ganze etwas entspannter und werde das für mich mögliche versuchen, um möglichst viel vom Sprachkurs mitzunehmen.

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Um nicht ganz ohne „Abenteuer“ in diesem Eintrag zu bleiben darf ich euch noch von meinem ersten mal Tandem fahren berichten. Niklas und ich haben bei anhaltenden sommerlichen Temperaturen natürlich auch die freien Tage an Chuseok genutzt um ein wenig am Hangang (Han River) ein paar Runden zu drehen. Die Drahtesel kann man dort für ein paar Won stundenweise Mieten und auf den dortigen Fahrradwegen quälen. Der Fluss führt quer durch Seoul und das Land und ist mit seinen knapp 500km der zweitlängste seiner Zunft in Südkorea. Ganz umrundet haben wir ihn dann nicht. Für ein paar amateurhafte Flirtversuche hat die Zeit aber dennoch gereicht ;-)

Ist das hier Checkpoint Charlie?

Meine Gefühlswelt wird immer noch täglich hin und hergerissen. Bei täglichem Reisverzehr, quasi null Privatsphäre, gehörigem Soju-Konsum und viel zu vielem was entdeckt werden will, findet man quasi keinen Spaltbreit Platz um wirklich mal in Ruhe sein eigenes Seoul-Life zu reflektieren und in Worte zu fassen. Vielleicht berichte ich also einfach mal von einem Teil des bisher gesehenen und zeige ein paar Bildchen in guter alter Reise-Blogger Manier. :)

Meine erste richtige Sightseeing Station war Gyeongbokgung 경복궁: „Der Palast der strahlenden Glückseligkeit“. Sagt zu mindestens mein Dumont-Reiseführer (Fettes Dankeschön an Chris, der liebe hat mir den nämlich Geschenkt und er erweist sich als Prima Wegbegleiter :) ). Ein weitläufiges Areal im nördlichen Teil der Stadt, reißt mit seiner großen Palastanlage ein entspannende Kerbe in die Hochhauslandschaft und den zähfließenden Stadtverkehr Seouls. Die Palastanlage gibt es leider nicht mehr als (restauriertes) Original. Dafür waren sich Japan und Südkorea zu oft nicht grün genug in der Geschichte beider Länder, wodurch das Areal immer wieder niedergebrannt wurde und anschließend aufgebaut werden musste. Erst seit 2010 wurde es wieder in die heutzutage erfahrbaren Verfassung gebracht. Macht aber nichts. Sieht trotzdem schön aus und zeigt das Bild der traditionellen Baukultur Südkoreas. Als beliebter Touristenmagnet hatten Ricardo, Ferhat, Fabi und ich das Vergnügen uns zusammen mit einigen anderen Leuten die Anlage anzuschauen.

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Gyeongbokgung liegt am Fuße des Bukak-Berg (nicht zu verwechseln mit einem ähnlich klingenden japanischen Begriff und der damit einhergehenden Handlungsweise). Der Berg beherbergt den nördlichen Teil der alten Stadtmauer Seouls und war über viele Jahre für Bürger und Touristen nicht zugänglich. Nach einem Anschlagversuch eines norkoreanischen Kommandos Ende der 1960iger Jahre auf den Präsidentenpalast Cheongwadae 청와대, wurde der Zutritt bis 2006 verboten. Zu groß war bzw. ist die Angst vor Spionen und Saboteuren, die von der Stadtmauer einen zu guten Blick auf das Haus mit dem blauen Ziegeldach der Regierung haben. Heute kommt man rein, muss aber vor betreten des Bukak-Trails seinen Reisepass einreichen: Militärgebiet. Hier werden auch keine Ausnahmen gemacht. Nichtmal für die peinliche deutsche Familie die kurz nach uns am Checkpoint eintraf und ihre Reisepässe nicht dabei hatte: „Es ist aber unser letzter Tag in Seoul und wir sind grade extra 2 Stunden hergefahren. Wie Sie wissen in Korea nicht was ein Personalauswei ist? Steht doch drauf PERSONALAUSWEIS! Wir sind doch Deutsche und wir sind jetzt sauer. Also sowas würde es in Deutschland ja nicht geben plärr plärr plärr.“ Zum Glück konnten wir das Tor zur Stadtmauer schon passieren und mussten uns nicht mehr anhören wie unverschämt es doch ist, dass der gute Mann im Auftrag seines Vorgesetzten bürokratisch konform handelt. Gut beobachtet von hunderten Kameras bahnten wir uns den Weg über die Stufen rauf immer weiter gen Bukak-Peak, der höchsten Stelle des Berges. Zwischendurch durfte man an kleinen „Aussichtsplattformen“ die Bäume fotografieren, die die Sicht auf den Präsidentenpalast sicherlich rein zufällig versperren. Den normalen Weg entlang war es untersagt Fotos zu machen. Die Verbotsschilder machten auch deutlich, dass ebenfalls der Gebrauch von Drohnen nicht gestattet sei. Verdammt ärgerlich, wir hatten alle eine dabei. Zur Einhaltung der Regeln wurde alle paar Meter ein schlecht informierter Streckenposten aufgestellt, damit dieser einem nicht verraten kann wo man sich gerade auf dem Wanderweg befindet. Dann und wann patroulierten auch mal schwer bewaffnete Soldaten an einem vorbei. Die Angst vor Angriffen ist immer präsent. Der ganze Fußmarsch zog sich insgesamt so über unzähliche Treppenstufen, zahlreiche Kilometer und drei bis vier Stunden. Oben angekommen bot sich dann ein fantastischer Ausblick über Seoul und ein absolut abgefahrenes Stadtbild dieser Millionenmetropole. Und tatsächlich, man durfte von hier auch Fotos machen.

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Tolles Ausflugsziel ist auch der Cheonggycheon 청겨천. Was vor einigen Jahren noch eine Kloake war, über die eine doppelstöckige Schnellstraße führte, ist heute ein knapp 6 km langer Wanderweg, entlang einem schönen, bewachsenen Flüsslein, welches quer durch Seoul führt. An zahlreichen Stellen kann man über eingelassene Steine das Gewässer queren und sich wo immer man Lust hat niederlassen. Ein toller Platz zum spazieren gehen und relaxen. Durch die abgesenkte Höhe läuft man unterhalb des Straßenlärms und kann hier wirklich für einen Moment den städtischen Troube beiseite schieben und abschalten. Entlang des Cheonggycheon kommt man am Gwangjang-Markt 광장시장 vorbei. Ein traditioneller Markt, der unfassbar viele Näherreien, Verkaufsstände für Kleidung und Essen beherbergt. Mein Reiseführer spricht vom „echten Asien“ und einer „geruchgeschwängerten Luft“. Das kann man wohl unkommentiert so stehen lassen. Das ganze ist überdacht in riesiegen Hallen. Eine wirklich urige Atomosphäre, sehens und erlebenswert. An diesem Tag mundete es uns nur nach einer Art „Reibepfannkuchen“ als kleinem Snack zwischendurch. An die unzähligen Fisch- oder auch Schweinedarm-Stände wollten wir uns heute nicht noch nicht ranwagen. Aber ich komme wieder, versprochen ;)

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